Landesarbeitsgemeinschaft
Migrantenökonomie
Baden-Württemberg

Neuerscheinung

Neue Herausforderungen für die Aus- und Weiterbildung in Migrantenunternehmen. Wissenschaft trifft Praxis
Bedeutung der Migrantenökonomie

Über 100.000 Selbständige in Baden-Württemberg haben einen Migrationshintergrund. Wirtschaft und Gesellschaft profitieren von ihren Unternehmen und ihrem wachsenden Leistungspotenzial. Migrantenunternehmen schaffen Arbeitsplätze, neue Produkte und Dienstleistungen und sie wirken als Integrationsmotor.

Den Ergebnissen des Mikrozensus und den Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim zufolge

  • ist die Zahl der Selbständigen mit Migrationshintergrund seit 2005 um 34.000 und damit um die Hälfte gestiegen, während die Zahl der herkunftsdeutschen Selbständige seit dieser Zeit stagniert,

  • hat mittlerweile jede fünfte unternehmerisch engagierte Person in Baden-Württemberg (19%) einen Migrationshintergrund,

  • stellen die von Migrantinnen und Migranten geführten Unternehmen rund eine Viertel Million Arbeitsplätze in Baden-Württemberg,

  • sind immer weniger Migrantenunternehmen im traditionellen Bereich von Gastgewerbe und Handel, dafür aber umso mehr in den modernen wissensintensiven Dienstleistungen aktiv,

  • weisen die migrantengeführte Unternehmen eine durch Vielfalt gekennzeichnete Kundenstruktur auf, wobei nur eine kleine Minderheit auf Kunden der gleichen Herkunft angewiesen ist,

  • erweisen sich Migrantenunternehmen als eine zentrale Triebkraft zur Internationalisierung des Mittelstands, da sie in überdurchschnittlichem Maße transnationale Geschäftsbeziehungen entwickeln und entsprechend höhere Auslandsumsätze erzielen,

  • geht der Weg in die unternehmerische Selbständigkeit in den meisten Fällen mit einem sozialen Aufstieg einher, was sich unter anderem in einem gegenüber abhängig Beschäftigten höheren Nettoeinkommen zeigt.

Doch die wirtschaftlichen Potenziale und das Integrationspotenzial von Migrantenunternehmen sind noch nicht ausgeschöpft. Ihre Leistungsfähigkeit ist in weiten Teilen begrenzt, weil Migrantenunternehmen

  • als Arbeitgeber bei der Rekrutierung von qualifiziertem Personal häufig mit Vorbehalten, wenn nicht gar mit Vorurteilen seitens der Bewerber/innen zu kämpfen haben,

  • ihr Personal nur unter weit schwierigeren Bedingungen selbst auszubilden können, da sie häufiger auf Grundlage schwächerer Ressourcen die am Ausbildungsmarkt benachteiligten Jugendlichen zu einem Berufsabschluss führen müssen,

  • zu einem überproportional hohen Anteil Menschen ohne berufliche Qualifizierung beschäftigen, was erhöhte Anstrengungen bei der Verfolgung von Nachqualifizierung und Weiterbildung erfordert.

Bei allem ist zu beachten, dass nicht nur die Unternehmen von Migrantinnen und Migranten, sondern die Wirtschaft in Baden-Württemberg und Deutschland insgesamt davon profitiert, wenn es gelingt, Migrantenunternehmen stärker an der Fachkräfteentwicklung zu beteiligen. Die Möglichkeiten der Qualifizierung in Migrantenunternehmen müssen daher durch gezielte Unterstützungsmaßnahmen gefördert werden.

Bedeutung, Triebkräfte und Leistungen von Migrantenunternehmen in Baden-Württemberg